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Mit Klaus von Flüe durch Höhen und Tiefen

Das Leben von Bernhilde und Hans Ebert aus Frankenwinheim ist geprägt von Landwirtschaft, Familie und Glaube

Gütig blickt der heilige Klaus von Flüe auf die Eckbank mit den bunten Patchworkkissen und den großen Küchentisch herab. Hier in der Küche spielt sich das Leben ab, hier wird Besuch empfangen, hier wird diskutiert, gelacht, geweint– und die geschnitzte Holzfigur des KLB-Patrons mittendrin. Zufall ist das nicht. Denn mit Klaus von Flüe sind Bernhilde und Hans Ebert durch Höhen und Tiefen gegangen, und er steht für vieles, was ihr Leben geprägt hat.  

Der Hof der Eberts liegt im Herzen von Frankenwinheim. Seit seiner Geburt im Jahr 1947 lebt Hans in dem unterfränkischen Bauerndorf, das sich idyllisch in die Hügel zwischen Steigerwald und Mainschleife schmiegt. Den landwirtschaftlichen Betrieb hat er von seinem Vater übernommen – gemeinsam mit seiner Frau Bernhilde, mit der er seit über 55 Jahren verheiratet ist. Die beiden stiegen in die Schweinehaltung ein, bauten großzügige Stallungen für bis zu 120 Muttersauen. Daneben kultiviert die Familie auf 25 Hektar Getreide, Zuckerrüben und Spargel. Verglichen mit so manchem Großbetrieb sei das „Kleingärtner“-Niveau lacht Hans und schenkt sich ein Glas Apfelsaft aus eigener Herstellung ein.

Arbeit gab es dennoch genug. Tag und Nacht seien sie für ihre Tiere da gewesen. Urlaub mit den Kindern? Undenkbar! Hinzu kamen die Arbeiten auf dem Feld. Im Mai und Juni sind die Tage so arbeitsintensiv, dass das Ehepaar auch heute noch abends todmüde ins Bett fällt. Und doch können sie es sich trotz ihrer fast  80 Jahre nicht anders vorstellen. Noch immer geht Hans mit der Hacke aufs Feld, um weniger Pflanzenschutzmittel ausbringen zu müssen. Denn: „Was ich selber nicht essen will, kann ich auch anderen nicht zumuten“, sagt er beinahe entschuldigend.

Schon als Jugendlicher war der Frankenwinheimer in der Landjugend aktiv, nach der Heirat wechselten beide in die KLB. Rund 90 Mitglieder zählte die Ortsgruppe damals. Gerne nahmen die Eberts an Veranstaltungen und Diözesanversammlungen teil. Während Bernhilde sich über Jahrzehnte bei Aktionen der Ortsgruppe wie Fastenessen, Maiandachten, Kräuterbüschel-Binden engagierte, Landfrauenfrühstücke und Begegnungstage mitorgansierte, war Hans im Diözesanvorstand aktiv. Maßgeblich geprägt hat er die bis heute gefragten Zieh-ins-Land-Exkursionen. Beide waren über Jahrzehnte hinweg Berater bei der LFB, bis vor kurzem haben sie im Vorstandsteam der Ortsgruppe mitgewirkt. Warum dieses enorme Engagement? „Weil es wichtig ist, zufrieden macht und dazu beiträgt, dass der Glaube auch an die nächsten Generationen weitergetragen wird“, begründen beide.

Eine ganz besondere Beziehung pflegen die Eberts zum Hl. Klaus von Flüe. Als ihr ältester Sohn mit 19 Jahren erkrankte, suchten sie Trost an der Bruder-Klaus-Kapelle bei Euerfeld. „Das hat uns Zuversicht geschenkt“, erinnert sich Bernhilde und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Hans ist bis heute tief berührt von einer Fußwallfahrt zum Wohnhaus des Heiligen in der Schweiz im Jahr 1999. „Sechs Tage, 240 Kilometer, kein Fernsehen, keine Zeitung, es war einfach herrlich“, erzählt er mit einem Strahlen in den Augen. „Wenn man so lange zu Fuß unterwegs ist, kommt man ganz anders an.“ Jahre später nahmen beide wieder an einer Fahrt zum Schweizer Nationalheiligen teil. Diesmal im Winter, die Ranft tief verschneit. „Eine unglaublich reiche Erfahrung“, sagt Bernhilde. Hans inspirierten die 13 im Regal aufgereihten Teller im Wohnhaus des Heiligen zu einem Gedicht. „Ich wusste ja, dass die Familie nur aus zwölf Personen bestanden hatte“, sagt er. Der dreizehnte Teller sei deshalb für den Gast, also ihn selbst, bestimmt gewesen.

Ein Gang über den Hof der Eberts führt in die leerstehenden Ställe. Fast 70-jährig haben die beiden die Sauenhaltung schweren Herzens aufgegeben. „Die Preise für die Ferkel sind immer mehr gefallen. Und bei den angefragten Stückzahlen konnten wir nicht mehr mithalten.“ Geblieben sind ein paar Schweine für den Hausbedarf, eine Handvoll Masthähnchen und eine Voliere mit fröhlich zwitschernden Kanarienvögeln. Ob er wieder Landwirt werden würde? Etwas ratlos zuckt Hans die Schultern. Als ältester Sohn sei er eben automatisch „auserwählt“ gewesen, den Hof zu übernehmen. „Etwas anderes stand nicht zur Diskussion.“

Aufgrund dieser Erfahrungen haben die Eberts darauf bestanden, dass ihre eigenen Kinder zuerst einen Beruf erlernen: „Es ist wichtig, eine Basis zu haben und frei wählen zu können.“ Dass aus allen vier Kindern und den zwölf Enkeln „etwas geworden“ ist, erfüllt die Eberts mit Stolz und Dankbarkeit. Die jüngste Tochter führt mit ihren Eltern den Hof im Nebenerwerb weiter. Wenn Hans mal nicht mehr kann, „wird das wohl zu Ende gehen“, mutmaßen die beiden. Natürlich sei es schwer loszulassen, was man aus eigener Kraft aufgebaut hat. Doch zugleich gehe es den jungen Leuten besser. „Unsere Enkel haben schon heute mehr gesehen als wir jemals sehen werden“, sagt Bernhilde. Die Sorge vor der Zukunft treibt sie aber auch um – Krisen, Teuerung, billige Lebensmittel aus dem Ausland statt Eigenherstellung, rasante Veränderungen durch Technik und KI.

Der Rat an Kinder und Enkel ist denkbar einfach: „Den Bezug nach oben nicht verlieren. Auf Gott vertrauen. Mit der Natur arbeiten.“ Gerade in der Landwirtschaft sei es entscheidend zu wissen, dass es für eine gute Ernte eben mehr braucht als Technik und der eigenen Hände Arbeit. Nämlich den Segen von oben.

Anja Legge