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Sein Herz schlägt für Afrika

Gerd Schneider aus Euerfeld engagiert sich ehrenamtlich für die Menschen im Senegal

Entspannt sitzt Gerd Schneider am Fenster und blickt hinaus auf die Straße. Auf der Tischdecke mit afrikanischem Batikmuster stehen Kaffeetassen aus Porzellan, neben dem Klavier eine Djembe-Trommel, an der Wand Familienfotos, Afrikaerinnerungen und eine Weltkarte.

Die bunte Mischung im Wohnzimmer von Gerd Schneider ist Spiegel seines Lebens: Als Niederlassungsleiter in einem großen Logistikunternehmen war der gelernte Speditionskaufmann viel unterwegs. Zugleich beschreibt sich der heute 74-jährige Vater von vier Kindern als „tief in Franken verwurzelt“ und „Landmensch“. Seit vielen Jahren engagiert er sich tatkräftig bei der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), wo er anfangs eher zufällig gelandet sei: „Wenn man in einem Ort wie Euerfeld lebt, gehört das einfach dazu.“

Und dann, von einer Sekunde auf die nächste, ändert sich Schneiders Tonfall. Plötzlich geht es um Afrika. „Ich habe mein Herz an Afrika verloren“, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Mit leuchtenden Augen erzählt er von seiner ersten Afrikareise im Mai 1989 mit den Missionsbenediktinern von Münsterschwarzach nach Tansania. „Obwohl wir damals drei kleine Kinder zu Hause hatten, redete mir meine Frau Theresia zu“, berichtet er mit liebevollem Blick gen Küche, aus der es verführerisch duftet. 2007 bot dann der Senegal-Arbeitskreis der KLB Würzburg eine zweiwöchige Reise in den Senegal an. Schneider fuhr mit – und das alte Feuer loderte wieder auf. Mit Blick auf den Ruhestand reifte in ihm die Erkenntnis, dass Arbeit nicht alles ist. Gerd Schneider ging vorzeitig und begann sich ehrenamtlich zu engagieren.

Seitdem ist er bei der KLB höchst aktiv – im Ortsvorstandsteam, seit 2011 im Diözesanvorstand und von 2018 bis April 2026 im Vorstand der KLB Bayern. Gerd Schneiders größte Liebe gilt dabei der Zusammenarbeit mit dem Senegal. 1981 war die erste achtköpfige Delegation aus Würzburg nach Kaolack gereist, eine Partnerschaft wurde aus der Taufe gehoben – ganz im Zeichen von Solidarität, Nachhaltigkeit und einem gemeinsamen christlichen Werteverständnis.

Während es in seinem Beruf „immer ums Geld gegangen“ sei, habe er bei seinen vielen Reisen nach Afrika ganz andere Schwerpunkte kennengelernt. Die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Menschen, die Dorffeste unter einem großen Baum, mit Trommeln, Gesang und Tanz, beeindrucken ihn jedes Mal aufs Neue. „Die Menschen sind viel ausgeglichener, sie leben einfacher, aber auch glücklicher.“ All das springe auf ihn über und sorge für Zufriedenheit.

Zentral ist für Schneider, „nicht belehrend oder gar gönnerhaft auftreten, sondern auf Augenhöhe mit den Menschen“. Und weil der persönliche Kontakt für eine Partnerschaft unerlässlich ist, reist alle zwei Jahre eine Gruppe der KLB Würzburg in den Senegal; umgekehrt kommen regelmäßig Gäste aus Kaolack nach Unterfranken. Über die Jahrzehnte sind so vertrauensvolle Verbindungen, ja Freundschaften entstanden.

Für eine noch bessere Zusammenarbeit wurde 1998 die Partnerorganisation MARCS (Mouvement des Adultes Ruraux Catholiques du Sénégal) gegründet. Außerdem arbeitet die KLB mit der örtlichen Caritas und anderen Organisationen zusammen. Dort reichen die Menschen ihre Anträge ein, gemeinsam sorgt man dafür, dass die Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden. Die Bandbreite der geförderten Projekte ist groß: Das beginnt ganz klein beim Maschendrahtzaun zum Schutz einer Hühnerfarm und reicht bis zu Klein-Darlehen für Frauen, die sich als Schneiderin oder mit dem Anbau von Feldfrüchten selbstständig machen wollen. Außerdem hat die KLB schon Solarpumpen für Brunnen finanziert, begleitet ein Rindermastprojekt und unterstützt eine Mädchenschule. „Wichtig ist, dass die Projekte nachhaltig sind und von den Menschen fortgeführt werden können“, betont Schneider. Besonders stolz ist er auf die Vernetzung mit dem Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienst und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Gemeinsam plane man aktuell ein Ausbildungszentrum auf dem Land.

Was all das mit seinem Glauben zu tun hat? Bescheiden zuckt der Euerfelder im grünen Senegal-Hemd die Schultern, blickt wieder hinaus auf die Straße und sagt dann: „Ich habe meine Probleme mit der Amtskirche und bin sicher kein Heiliger, aber mich aus dem Glauben heraus für andere einsetzen und christliche Werte leben, das ist mir wichtig.“

Anja Legge